Wie kam ich zum Nadelbinden?

 

Eine etwas länger Geschichte kurz erzählt

Bei der Gründung einer Spinnstube im Heimatverein Hauenhorst bei Rheine im Jahre 1999 war es mein Wunsch, mich umfassend über Schafwolle zu informieren. In der Stadtbücherei Münster (Westf.) fand ich dazu das passende Buch, es hieß „Wolle vom Schaf“. In diesem Buch waren auch alte und neuere Wollverarbeitungs- und Handarbeitstechniken dargestellt. Unter anderem auch die dort so genannte „Schlingentechnik“. Als ich die Anleitung dazu las, wurde ich neugierig auf diese uralte Technik. Sie galt in dem Buch als von den Wikingern überliefert. Das Arbeitsgerät war eine Nähnadel und die Technik hatte irgendwie Ähnlichkeit mit Häkeln, daß ich als kleiner Junge gelernt und auch ausgiebig praktiziert hatte.
Ich hatte große Schwierigkeiten, die im Buch beschriebenen Anfangsschritte nachzuvollziehen. Es dauerte mehr als drei Stunden, bis ich die ersten brauchbaren Anfangsschlingen zuwege brachte.

Wie ich Gleichgesinnte fand

Nach den Anfängen folgte dann als erstes Werkstück eine Mütze,
die noch in meinem Besitz ist. Sie ist aus selbstgesponnener Wolle
gefertigt. Die Versuche Socken zu nadeln scheiterten an der not-
wendigen Sachkenntnis.
Erst als ich im Internet eine amerikanische Mailingliste zu diesem
Thema entdeckte, dand ich die ersten Gleichgesinnten. Im Jahr 2003
fand ich zu einer privatgeführten deutschen Mailingliste, in der ich
Kontakt zu der deutschen Nadelbindeszene bekam. Größtenteils
reklrutierten sich die Mitglieder dieser Liste aus der geschichtsdar-
stellenden Szene. Diesen Leuten und Leuten aus der experimentellen
Archäologie ist es unter anderem zu verdanken, dass dieses uralte
Handwerk in Deutschland wiederbelebt wurde, allerdings damals
ohne größere Wirkung auf eine breitere Öffentlichkeit.

Wie die Theorie zur anfänglichen Praxis kam

Ein Mitglied dieser deutschen Liste bot eines Tages ein Treffen in Köln an.
Es war eine Deutsch-Isländerin, die in Reikjavik lebte und dort an der
Volkshochschule Unterricht im Nadelbinden gab.

Ich ging sofort auf diese Einladung ein und fuhr im Dezember 2003 mit
meinen selbstgefertigten Nadeln und den ersten selbstgebundenen Sachen
nach Köln zu diesem Treffen. Daran nahmen ebenfalls Teil, zwei mir be-
kannte Frauen aus dem Bergischen Land und eine mir unbekannte Frau aus dem Saarland.
Hier bekam ich zu meiner bislang notdürftigen Praxis endlich die
Theorie vermittelt

Anhand von Kopien aus einem schwedischen Buch konnte ich ab sofort
auch Socken nadeln. Aber was für mich am wichtigsten war, ich lernte dort
die Freihandmethode kennen. Sehr schnell merkte ich, dass sich meine anfangs erlernte Daumenfangmethode sich besser und schneller nadeln ließ.
Nun war der Weg frei zu neuen Stichvarianten, neuen Gestaltungsmethoden
und ein reges Nadeln begann. Es entstanden die ersten Socken, Handschuhe,
weitere Mützen, Taschen und noch vieles mehr.

Wie Nadelbinden zu seinem Namen kam

In diese Zeit fiel auch meine Namensfindung für diese Technik in der
deutschen Sprache.
Es gab bisher die Bezeichnungen Schlingentechnik
oder besser noch Schlingennähtechnik, oder auch Nadelbindung. Die frühere
Mailingliste firmierte unter dem Namen „Nadelbindung“. Von mir wurde
dagegen in Anlehnung an die schwedische Bezeichnung „
Nålbindning“, die
amerikanische Bezeichnung“nalbinding“ der deutschen Begriff „Nadelbinden“
geprägt. Ausschlaggebend für diese Namensfindung war der Titel eines Hand-
arbeitsbuches in schwedischer Sprache mit Namen: „Strikke, Häkele, Binde“.
Übersetzt man dies ins Deutsche, so lautet das: „Stricken, Häkeln Binden“.
Mir wurde dadurch klar, dass es in erster Linie „Nadelbinden“ und nicht
„Nadelbindung“ heißen mußte, weil es im Gegenzug auch nicht Strickung
und Häkelung im Deutschen heißt.

Was ist jetzt und was ist morgen?

Inzwischen habe ich durch internationale persönliche Kontakte nach Norwegen, Amerika, den Niederlanden und Belgien, sowie unzähligen Kontakten innerhalb Deutschlands meine Kenntnisse in der Nadelbindetechnik enorm ausweiten können und verfüge über einen reichen Erfahrungsschatz.
Ich gebe mein Wissen in Kursen und Wochenendseminaren gerne weiter. Mein Hauptanliegen ist es, dieser zweckmäßigen und schönen uralten  Handarbeitstechnik ein neues Dasein und Weiterleben auch für die Zukunft zu ermöglichen.

 

Bernhard Dankbar